Die nordrhein-westfälische Landesregierung legt dazu heute einen vorläufigen Bericht vor. Darin werden offenbar schwere Vorwürfe gegen den Veranstalter erhoben. Duisburgs Oberbürgermeister stellt derweil klar, dass ein Rücktritt für ihn nicht infrage kommt. Zur Trauerfeier traut er sich nicht.
Die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen macht den Veranstalter der Loveparade für die Katastrophe verantwortlich, bei der am Samstag 20 Menschen ums Leben kamen. In dem vorläufigen Bericht, den Innenminister Ralf Jäger (SPD) heute vorstellen will, heißt es laut "Süddeutscher Zeitung", der Veranstalter habe sich mehrfach über Bedenken der Behörden hinweggesetzt.
Nach Informationen der "SZ" kommen die Sicherheitsbehörden zu der Einschätzung, dass die Lopavent GmbH um den Fitnessunternehmer Rainer Schaller in ihrem Sicherheitskonzept von völlig falschen Berechnungen ausging, wie sich die Besucherströme auf dem Festivalgelände verteilen würden.Einen Rücktritt lehnt der Bürgermeister weiterhin ab. Wenn er für die Tragödie die Verantwortung übernähme, würde er für den Rest seines Lebens für 20 Todesopfer verantwortlich gemacht, sagte Sauerland den Zeitungen der WAZ-Mediengruppe. Ein Rücktritt käme einem Eingeständnis gleich, den Tod der 20 Menschen verursacht zu haben. "Ich muss das durchhalten", sagte Sauerland. Er werde nachweisen, keine Fehler begangen zu haben. Wie die Loveparade-Veranstalter machte auch er ein Fehlverhalten der Polizei für die Katastrophe am Tunnel verantwortlich.
Alle starben an Brustkorbquetschung
Nach Abschluss der Untersuchungen der Gerichtsmedizin steht fest, dass alle 20 Todesopfer infolge massiver Brustkompression in der Menschenmenge erstickten. Dies teilte die Staatsanwaltschaft Duisburg am Dienstagabend mit. "Anhaltspunkte für Stürze aus großer Höhe als Todesursache haben sich nicht finden lassen." Die Verantwortlichen hatten zunächst behauptet, Stürze von einer Treppe hätten die Massenpanik ausgelöst.
Land will bei Massenveranstaltungen helfen
Ministerpräsidentin Kraft kündigte als eine erste Konsequenz an, dass Kommunen künftig bei der Ausrichtung von Massenveranstaltungen geholfen werden sollte. Die Landesregierung werde Einzelheiten dazu noch erarbeiten und einen entsprechenden Vorstoß in der nächsten Bundesinnenministerkonferenz machen. Langfristig will Nordrhein-Westfalen neue bundeseinheitliche Regelungen für solche Events erreichen.
Sauerland bleibt Trauerfeier fern.
Bei der Massenpanik am Rande der größten Techno-Party der Welt waren am Samstag in Duisburg 20 Menschen ums Leben gekommen. Es gab mehr als 500 Verletzte. Am kommenden Samstag soll in Duisburg eine zentrale Trauerfeier für die Opfer stattfinden, an der auch Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundespräsident Christian Wulff teilnehmen wollen. Dagegen will Bürgermeister Sauerland der Trauerfeier fernbleiben. Sauerland wolle "die Gefühle der Angehörigen nicht verletzen und mit seiner Anwesenheit nicht provozieren", sagte ein Sprecher der Stadtverwaltung der "Rheinischen Post".

Die Zeitung zitierte zudem Polizeikreise, dass auch Sicherheitsbedenken zu der Entscheidung geführt hätten. Es seien Morddrohungen gegen Sauerland ausgesprochen worden.
hvo/AFP/dpa
Auch Sauerland wird vorgeworfen, Warnungen im Vorfeld der Loveparade in den Wind geschlagen zu haben. Ausdrücklich nahm Kraft die Polizei in Schutz, der Loveparade-Veranstalter Schaller eine wesentliche Mitschuld an den Ereignissen am vergangenen Samstag gab.
Kraft vermied zwar eindeutige Schuldzuweisungen, betonte aber, zur tödlichen Panik sei es im Zugangbereich zum Festgelände gekommen. Dort hätten die Veranstalter und die Stadtverwaltung die Verantwortung gehabt und nicht die Polizei.
Schaller sagte, die Polizei habe ohne Absprache die Besucher ungehindert in den Tunneleingang strömen lassen, wo es zu dem tödlichen Gedränge gekommen sei. "Warum diese Anweisung erfolgte, ist uns nicht bekannt." Dabei habe man zuvor mit der Polizei entschieden, zehn von 16 Zugängen am Tunneleingang wegen drohender Überfüllung des Tunnels zu schließen.
Oberbürgermeister klebt am Sessel
Sauerland wies die gegen ihn erhobenen Vorwürfe zurück, wonach Kritiker ihn darauf hingewiesen hätten, dass Duisburg für eine derartige Massenveranstaltung ungeeignet sei. "Mir sind keine Warnungen bekannt", sagte er. Es gebe bei der Planung solcher Veranstaltungen immer kritische Stimmen, die auch sehr ernst genommen würden, sagte Sauerland der "Rheinischen Post". Es sei gewissenhaft geprüft worden, ob die Veranstaltung stattfinden könne. Der CDU-Politiker steht inzwischen unter Polizeischutz.
Der Veranstalter habe nicht mit einem Stau gerechnet, obwohl die Polizei ihn zuvor immer wieder auf diese Problematik hingewiesen habe, berichtete die "SZ" unter Berufung auf Polizeikreise. Der Veranstalter habe auf seine Erfahrungen verwiesen. Das Unternehmen ging in seinem Sicherheitskonzept nach "SZ"-Informationen davon aus, dass die verschiedenen Lastwagen mit Tänzern und DJs auf der Ladefläche die Besucher auf das Gelände locken und verteilen würden. Die Behörden kritisieren in ihrer Ursachenanalyse jedoch, dass die Lkw viel zu nah an der Rampe - dem Zugang zum Partygelände - vorbeigefahren und dort zudem Würstchenstände aufgebaut worden seien, an denen die Menschen stehenblieben.
Ordner, die den Stau hätten beseitigen können, waren dem Bericht zufolge offenbar nicht in ausreichender Zahl vorhanden, weil der Veranstalter viel weniger eigene Ordnungskräfte eingesetzt habe als angekündigt. Dies habe Innenminister Jäger dem Landeskabinett in Düsseldorf berichtet. Außerdem habe der Veranstalter Vorschläge ignoriert, im Zugangsbereich eine Videoüberwachung zu installieren.
Kraft legt Sauerland Rücktritt nahe
Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft forderte personelle Konsequenzen aus der Katastrophe. Sie habe zur Kenntnis genommen, dass der Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland im Amt bleiben wolle, sagte die SPD-Politikerin. Sie fügte aber hinzu: "Es wird am Ende auch um politische Verantwortung gehen."
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